Bibliothek
Wir schreiben seit über 15 Jahren jede Woche einen Coachingbrief. Mittlerweile haben wir über 750 Ausgaben verfasst, und in jeder einzelnen Ausgabe setzen wir uns mit einem bestimmten Aspekt der Gewaltfreien Kommunikation auseinander – anhand eines Beispiels, manchmal auch eines sehr persönlichen, selbst erlebten Beispiels.
Sie sind neugierig? Dann schauen Sie gleich mal auf unseren Blog:
Zu den unten aufgeführten Themen, die wir immer wieder in unseren Kursen verfolgen, haben wir für Sie das Wesentliche einmal zusammengefasst:
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Gewaltfreie Kommunikation
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Gewaltfrei Leben
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Gewaltfrei Lieben
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Gewaltfrei Lernen
Gewaltfreie Kommunikation
Marshall Rosenbergs intensives Ringen wird in diesem Zitat von ihm sehr deutlich. Er schrieb:
„Frieden beginnt in uns selbst. Damit meine ich nicht, dass wir uns zuerst von all unseren inneren gewaltvollen Erfahrungen befreien müssen, bevor wir nach außen auf die Welt schauen oder auf einer höheren Ebene am sozialen Wandel mitwirken können. Was ich meine ist, dass wir diese Dinge gleichzeitig tun können.“
17 Jahre ist unser zehntägiges Training mit Marshall Rosenberg nun her, und wir sind immer noch dankbar für diesen letzten persönlichen Kontakt mit ihm. Dass es das letzte europäische Training mit ihm sein würde, war uns damals noch nicht klar.
Wie in kaum einer anderen Region der Welt gab es zu dieser Zeit vor allem im deutschsprachigen Raum eine riesige Nachfrage nach der Gewaltfreien Kommunikation.
Marshall sagte damals, dass ihn das große Interesse an der Gewaltfreien Kommunikation sehr erfreue. Im Gespräch machte er uns noch einmal deutlich, worum es ihm bei der Verbreitung des Modells ging.
Zunächst einmal ging es ihm nicht vordergründig darum, dass Menschen das Modell Gewaltfreie Kommunikation lernen. Jedes Kommunikationsmodell sei lediglich eine Strategie zur Bedürfniserfüllung, sagte er – zum Beispiel für mehr Verbindung und Verständnis oder zur Klärung von Fragen des Miteinanders.
Sondern – und das war sein eigentliches „Herzens-Thema“ – ihn beschäftigte besonders die Frage, wie eine veränderte Kommunikation einen Beitrag zu mehr weltweitem Frieden leisten kann. Und auch, wie sich jeder Einzelne, der sich nach mehr Frieden in der Welt oder im direkten persönlichen Umfeld sehnt, engagieren kann, um sich mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation dafür einzusetzen. Auch indem man dazu beiträgt, gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, die sich stärker an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. „Social change“ – gesellschaftliche Veränderung – war für ihn ein zentrales Thema in der Schulung der Gewaltfreien Kommunikation und nahm einen großen Raum in seinem Training ein.
Motor dieses gesellschaftlichen Veränderungswunsches war seine Erkenntnis als Psychologe, dass man Menschen mit psychischen Erkrankungen zwar hilfreich begleiten kann, dabei jedoch immer nur individuelle Symptome lindert. Die gesellschaftlichen Strukturen und die Art, wie wir unser Miteinander gestalten, bleiben davon weitgehend unberührt. Das frustrierte ihn.
Marshall Rosenbergs größtes Anliegen war eine gesellschaftliche Veränderung auf Basis von Strukturen, die dem Leben, dem Miteinander der Menschen und der psychischen Gesundheit dienen.
Der brasilianische Pädagoge Paulo Freire und seine Befreiungsidee faszinierten Marshall Rosenberg. Freire entwickelte ein Alphabetisierungsprogramm, das Bauern half, Protestbriefe an die Regierung zu schreiben. Dies war nicht nur eine Technik zum raschen und gezielten Erwerb von Lese- und Schreibfähigkeit, sondern darüber hinaus eine Methode der Bewusstseinsbildung.
Das inspirierte Rosenberg so nachhaltig, dass er ein einfaches Modell entwickeln wollte, das Menschen unterstützt, Verantwortung für ihr eigenes Leben und ihren Beitrag zur Gemeinschaft zu übernehmen und entsprechend zu handeln. Er begann, ein erstes Modell der Gewaltfreien Kommunikation zu entwerfen.
In den USA begleitete Rosenberg mit seinem Ansatz die Bürgerrechtsbewegung, arbeitete mit Jugendlichen und Straßengangs und stand mit vielen Initiativen in Kontakt, die friedensstiftende Fähigkeiten erlernen wollten. Auch in Kriegs- und Krisengebieten – unter anderem im Nahen Osten, in Irland, im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda – wurde er gebeten zu vermitteln.
Immer wieder erlebten wir mit ihm, dass er uns Teilnehmende dazu ermutigte, neben der Klärung unserer persönlichen Anliegen auch (Mit-)Verantwortung für das Geschehen auf der gesamten Erde zu übernehmen. Marshall teilte mit uns seine Vision, dass er den Sinn der Gewaltfreien Kommunikation darin sieht, „gewaltfreies Denken und Handeln“ in einem größeren, ja globalen Maßstab einzuüben und tiefgreifende Veränderungen zu bewirken. Damals sagte er, die Zeit sei reif dafür, dass Menschen die großen Irrtümer unserer jüngsten Entwicklung erkennen und sich wieder mehr dafür interessieren, was im Leben wirklich wichtig ist.
Die Zeit ist reif dafür – das finden wir auch. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Steigen Sie mit uns ein in die Gewaltfreie Kommunikation und revolutionieren Sie Ihre Sprachgewohnheiten.
Gewaltfrei Leben
Lebenshunger
„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“
Cicely Saunders, Pionierin der Palliativmedizin und Begründerin der modernen Hospizbewegung, spricht uns aus dem Herzen. Ulrich Schaffer füllt diesen Gedanken mit folgenden prosaischen Worten:
Hunger
Alles kommt auf den Hunger an:
Ob unser Gespräch im Sand verläuft,
ob wir die Gedanken riechen können,
die uns ins Leben stürzen,
ob wir das Muster der Möwen am Strand sehen,
ob wir uns um Wort bemühen,
mit dem wir uns selbst und einander lösen und binden,
ob ich dich finde, in der Verschachtelung,
in der du dich versteckt hast,
ob uns das Schwarzbrot trotz der Säure schmeckt,
ob uns das Rätsel mit den sieben Siegeln
unter unserer Sehnsucht nachgibt,
und
ob am Ende nur zählt,
wie wir das Versprechen halten,
das wir uns selbst gegeben haben
in Momenten der Schwäche und Stärke:
Alle Formeln loszulassen und unterwegs zu bleiben
Durch Verzweiflung und Glück.
Eindeutig ist,
dass wir ohne Hunger
strahlenden Auges
blind werden.
Astrid Schütte, eine Kollegin in Berlin, spricht, wenn sie an die Gewaltfreie Kommunikation denkt, von einer Herzkraftkommunikation, die eine Vielfalt von Kompetenzen mit sich bringt. Sie vergleicht sie mit einer Bildung für die Seele. Denn mit Hilfe des Modells lassen sich nicht nur Konflikte friedlich lösen und Beziehungen zufriedenstellender gestalten, sondern auch bedeutsame Lebensbereiche einbeziehen: das Danken und Feiern von Erfolgen, das Trauern und das aufrichtige Bedauern.
Mit der Gewaltfreien Kommunikation sensibilisieren wir uns für den Lebenshunger in uns und erkennen die Vielfalt an Möglichkeiten, die damit einhergeht. Der Lebenshunger – für uns Ausdruck unserer Bedürfnisse, die wiederum der Motor für unser Handeln sind – ist eng mit dem Gefühl von Neugier verbunden.
Wenn es uns gelingt, mit der Neugier eines kleinen Kindes die Welt zu erforschen, um herauszufinden, was unsere Bedürfnisse erfüllt, bleiben wir in mitfühlendem Kontakt mit uns selbst und den Menschen um uns herum.
Halten Sie in diesem Moment des Lesens kurz inne, lehnen Sie sich zurück und überlegen Sie: Was macht Ihren Lebenshunger aus? Welche Bedürfnisse erfüllen Sie sich bereits? Worauf sind Sie neugierig? Was möchten Sie noch lernen, erfahren oder weiterentwickeln? Schreiben Sie alles auf, was Ihnen dazu einfällt.
Nehmen Sie sich diese spontan entstandene Liste in dieser Woche vor und notieren Sie die Bedürfnisse, die Sie sich erfüllen, wenn Sie Ihrem Lebenshunger folgen. Prüfen Sie, ob bei der Umsetzung auch andere Bedürfnisse „hungrig“ werden könnten und sich bemerkbar machen. Gibt es aus Ihrer Sicht etwas, das Sie in diesem Jahr tun könnten, um Ihren Lebenshunger ein Stück mehr zu stillen?
Gewaltfrei Lieben
Innere Schönheit
Von Silke Kittler lasen wir vor Kurzem diesen Satz:
„Manchmal kann man wahrnehmen, dass Ewiges durch Menschen hindurchleuchtet.“
Zusammen mit den folgenden Zeilen, die uns im Kontakt mit unseren alternden Eltern immer wieder beschäftigen und berühren, ist der nachfolgende Text entstanden:
Wenn man beginnt, sich mit Gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen, entsteht leicht der Eindruck, es handle sich um ein Kommunikationswerkzeug. Aus unserer Sicht ist sie jedoch kein Werkzeug, sondern eine Haltung dem Menschen und dem Menschsein gegenüber. Etwas, das uns tief im Herzen berührt und sich über unsere Werte, Bedürfnisse und Wünsche mitteilt.
Die Worte sind nachrangig, auch wenn sie eine große Wirkung entfalten können. Sie sind der Versuch, unserem Gegenüber in kurzer Form mitzuteilen, was in uns lebendig ist und was wir brauchen. Angesichts der Tiefe und Komplexität des menschlichen Daseins ist Sprache dabei ein sehr grobes Mittel zur Verständigung.
Die Haltung hingegen, die wir anderen Menschen gegenüber in uns tragen, ist das, was wirkliche Verbindung schafft. Sie ist die Kraft, die unsere Worte formt – oder uns, wenn wir keine stimmigen Worte finden, demütig schweigen lässt.
Darüber hinaus ist diese Haltung unser innerer Richtungsweiser. Wenn wir auf die Menschen um uns schauen: Womit verbinden wir uns? Mit Urteilen über sie oder ihre Lebenssituation? Oder mit dem Menschen selbst und seiner Schönheit, die in jedem Moment seines Lebens sichtbar werden kann?